LinkedIn kann ziemlich spannend sein. Oder ziemlich langweilig. Es kommt ein bisschen darauf an, was du daraus machst.
Genau darüber habe ich in meinem Expertentalk mit meiner wunderbaren Freundin und LinkedIn-Expertin Kathrin Köhler gesprochen. Kathrin ist Digital Coach und beschäftigt sich täglich damit, wie Menschen LinkedIn sinnvoll für sich nutzen können.
Und dabei ging es schnell um eine Erkenntnis, die ich ziemlich gut finde: Wir sind dem LinkedIn-Algorithmus nicht komplett ausgeliefert. Wir können ihn ein Stück weit erziehen.
Dein Feed ist das Ergebnis deines eigenen Verhaltens
„Mein LinkedIn-Feed langweilt mich.“ Diesen Satz hört Kathrin ziemlich häufig. Die gute Nachricht: Daran lässt sich etwas ändern. Denn LinkedIn zeigt uns nicht einfach zufällig irgendwelche Inhalte. Unser Verhalten beeinflusst, was im Feed auftaucht. Wem wir folgen, was wir liken, wo wir kommentieren und mit welchen Menschen wir interagieren. Kathrin nennt das „Feed-Hygiene“.
Wenn du also eine Person interessant findest und mehr von ihr sehen möchtest, reicht es nicht unbedingt, ihr einfach zu folgen. Geh auf ihr Profil. Schau dir ein paar Beiträge an. Like etwas. Schreib einen vernünftigen Kommentar. Interagiere.
Dann versteht irgendwann auch die Maschine: Da scheint Interesse zu bestehen.
Das funktioniert übrigens auch andersherum. Wenn dich bestimmte Inhalte nerven, kannst du LinkedIn mitteilen, dass du davon weniger sehen möchtest. Die drei Punkte am Beitrag machen es möglich.
Das finde ich ziemlich beruhigend. Denn wenn wir uns ständig über unseren Feed beschweren, sollten wir vielleicht zuerst einmal schauen, welchen Anteil wir selbst daran haben.
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Mehr InformationenDas größte Problem ist oft nicht LinkedIn – sondern der eigene Mut
Eine der häufigsten Herausforderungen, die Kathrin in ihren Coachings erlebt, ist erstaunlicherweise nicht der Algorithmus. Es ist die Frage: „Traue ich mich eigentlich, das zu posten?“
Viele Menschen haben etwas zu sagen. Sie wissen auch ziemlich genau, worüber sie sprechen könnten. Aber dann beginnt das Kopfkino.
Ist das gut genug? Ist das interessant genug? Was denken die anderen? Habe ich schon genug dazu geschrieben? Darf ich das überhaupt posten?
Und so bleibt der Beitrag im Entwurfsordner.
Kathrin arbeitet deshalb nicht nur an Strategie und Profil, sondern auch an der Selbstsicherheit ihrer Kundinnen und Kunden. Manchmal braucht es eben jemanden, der sagt: „Ja. Jetzt veröffentlichst du das.“
Ein gutes LinkedIn-Profil darf Persönlichkeit haben
Dann haben wir uns natürlich auch darüber unterhalten, wie man sein LinkedIn-Profil möglichst schnell zerstören kann. Eine ziemlich gute Methode: Man macht es komplett glatt.
Kathrins Punkt: Menschen brauchen Anker. Etwas, woran sie hängen bleiben. Eine kleine Besonderheit. Eine persönliche Note. Etwas, das zeigt, dass hinter dem beruflichen Profil tatsächlich ein Mensch steckt. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, auf LinkedIn einen kompletten Seelenstriptease hinzulegen.
Und das ist ein wichtiger Unterschied: persönlich ist nicht automatisch privat.
Du kannst erzählen, wie du auf ein Thema blickst, was dich beschäftigt oder welche Erfahrung dich geprägt hat. Dein Wohnzimmer, dein Frühstück oder die komplette Familienchronik müssen deshalb noch lange nicht in den Feed.
Eine gute Frage ist: Was von meiner Persönlichkeit hilft anderen, mich besser zu verstehen?
Genau daraus kann eine starke persönliche Marke entstehen.
Der virtuelle Stehtisch
Eine meiner Lieblingsmetaphern aus dem Gespräch war der virtuelle Stehtisch.
Ein LinkedIn-Posting ist im Grunde nichts anderes, als wenn du dich auf einer Veranstaltung an einen Stehtisch stellst und darüber sprichst, was dich gerade beschäftigt, was du kürzlich erlebt hast oder wozu du eine Meinung hast. Und dann schaust du, wer sich dazugesellt.
Genau so funktioniert Netzwerken. Nicht nur auf Veranstaltungen, sondern auch digital.
Dabei müssen persönliche Geschichten nicht vom eigentlichen Thema wegführen. Im Gegenteil. Kathrin sprach von „Pröffentlichkeit“ – also der Verbindung von persönlichen Erlebnissen mit öffentlich relevanten Themen.
Ein schönes Beispiel dafür ist ein Beitrag über Timmy, den Wal, der im März diesen Jahres ganz Deutschland beschäftigt hat. Aus einer Figur, die vielleicht auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Business zu tun hat, kann plötzlich eine Geschichte über das eigene Thema werden. Oder man nimmt ein gesellschaftlich relevantes Thema und erzählt, was es ganz persönlich mit dem eigenen Arbeitsalltag zu tun hat. Das macht Beiträge interessant. Denn am Ende wollen wir auf LinkedIn zwar beruflich unterwegs sein. Aber wir wollen trotzdem Menschen begegnen und keinen Lebenslauf-Automaten.
Meine wichtigste Erkenntnis aus dem Gespräch mit Kathrin:
Du musst LinkedIn nicht einfach so hinnehmen, wie es dir präsentiert wird. Du kannst deinen Feed beeinflussen. Du kannst entscheiden, mit wem du dich vernetzt. Du kannst Persönlichkeit zeigen. Und du kannst dich an deinen virtuellen Stehtisch stellen und einfach mal anfangen, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Und wenn dein Feed dich trotzdem langweilt? Dann würde ich sagen: Zeit für ein bisschen Feed-Hygiene.
Bis dahin – bleibt flexibel!
eueR Ralf Schmitt
und das Team der Impulspiloten
Autor
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Ralf Schmitt ist Moderator, Keynote Speaker und Autor für Fehlerkultur, Mindset, Change und Flexibilität in Unternehmen. Unternehmen buchen ihn, wenn es darum geht, mit Unsicherheit souverän umzugehen, ein starkes Ja-Mindset zu entwickeln und Veränderung aktiv zu gestalten.
Er zählt zu den prägenden Speakern für moderne Führung, Zusammenarbeit und Veränderung in Unternehmen und steht für Keynotes mit hoher Interaktion, klarer Business-Relevanz und unmittelbarer Umsetzbarkeit – getragen von langjähriger Bühnen- und Praxiserfahrung sowie einer starken Mischung aus Expertise und Humor.
In seinen Vorträgen zeigt er, wie Unternehmen, Teams und Führungskräfte Fehler als Fortschritt nutzen, Flexibilität trainieren und auch unter Druck handlungsfähig bleiben.
Als Autor, Podcaster, Gründer der Impulspiloten GmbH und Initiator von ImproHotel entwickelt er Formate für Organisationsentwicklung, die Zusammenarbeit, Führung und Veränderung nachhaltig stärken.
Mehr über seine Arbeit:
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