Ob in Meetings, auf Bühnen oder im Alltag – unsere Stimme verrät mehr über uns, als wir denken. Doch Frauenstimmen werden häufig anders wahrgenommen als Männerstimmen: „Wenn wir zu laut sprechen, sind wir bossy. Wenn wir zu hoch sprechen, hysterisch. Wenn zu viel Melodie da ist, sind wir zu emotional“, sagt Stimmexpertin Monika Hein.
Warum die Stimme so viel mehr ist als Klang
Wenn du wissen willst, ob du eine anziehende oder abweisende Stimme hast und wie du als Frau stimmlich wirken kannst, dann bist du bei meinem Expertentalk mit Monika genau richtig.
Sie ist Stimmexpertin, Phonetikerin und Autorin des Buchs Speak Up and Shine. Wir haben uns gefragt: Warum werden Frauenstimmen so oft anders bewertet als Männerstimmen? Und wie lässt sich das verändern?
„Frauenstimmen stimmen sowieso nie“
Monika bringt es gleich auf den Punkt:
„Frauen haben anatomisch einfach kleinere Kehlköpfe – dadurch klingen sie höher. Wenn dann noch Druck dazukommt, etwa in stressigen Situationen, wird die Stimme automatisch noch höher. Und das nehmen viele als schrill wahr.“
Männer dagegen, so erklärt sie, klingen unter Druck lauter oder etwas kräftiger – und das wird oft als souverän interpretiert.
Der Unterschied liegt also nicht nur in der Anatomie, sondern auch in der Wahrnehmung. „Wenn Frauen laut sprechen, sind sie bossy. Wenn sie hoch sprechen, hysterisch. Wenn sie melodisch sprechen, zu emotional“, sagt Monika. „Frauenstimmen stimmen sowieso nie.“
Nicht tiefer – entspannter
Viele Frauen, die zu Monika ins Coaching kommen, wünschen sich, tiefer zu sprechen. Dahinter steckt der Wunsch, ernster genommen zu werden.
Monika winkt ab: „Wir müssen nicht tiefer sprechen, sondern entspannter.“
Denn: Wenn wir angespannt sind – weil wir unsicher sind, beobachtet werden oder gefallen wollen – verengt sich der Raum um den Kehlkopf, und die Stimme wird automatisch höher.
„Stimmarbeit beginnt also nicht mit Technik, sondern mit innerer Entspannung“, erklärt sie. „Wenn ich mir selbst Sicherheit gebe, bleibt meine Stimme stabil.“
Innere Leisemacher – und das Ende des Nettseins
In Speak Up and Shine schreibt Monika über die sogenannten inneren Leisemacher: Gedanken und Überzeugungen, die uns davon abhalten, die eigene Stimme zu nutzen.
„Viele Frauen tragen Glaubenssätze in sich wie: ‚Ich will niemandem auf die Füße treten‘ oder ‚Ich darf nicht zu laut sein‘“, sagt sie. „Doch genau das hält uns zurück.“
Ihr Buch ist deshalb ein Plädoyer gegen das Nettsein.
„Wir müssen nicht immer nett sein. Wir dürfen Raum einnehmen“, betont Monika. „Wenn ich sage ‚Hier bin ich‘, verändert sich meine ganze Körperhaltung – und damit auch meine Stimme.“
Unapologetic – hör auf, dich zu entschuldigen
Ein Wort, das Monika besonders liebt: unapologetic.
Es bedeutet, sich nicht ständig zu entschuldigen – weder für die eigene Meinung noch für die eigene Existenz.
„Viele Frauen sagen schon ‚Entschuldigung‘, bevor sie überhaupt etwas gesagt haben“, erzählt sie. „Aber niemand will das glattgebügelte Ich. Wir wollen echte Menschen – mit Ecken und Kanten.“
Unapologetic zu sein, heißt für sie: frei sprechen, ohne Angst vor Ablehnung. „Sobald wir aufhören, uns zu entschuldigen, klingen wir automatisch überzeugender.“
Wenn Feedback kleinmacht
Oft kommen Frauen in Monikas Coachings, weil sie ein bestimmtes Feedback bekommen haben – meistens von Männern.
„Typische Sätze sind: ‚Du klingst wie ein Mäuschen‘ oder ‚Deine Stimme ist zu hell‘“, erzählt sie.
Das Problem: Solche Rückmeldungen sind wertend statt beschreibend. Monika plädiert für ein bewussteres, neutraleres Feedback:
„Statt Etiketten zu vergeben, können wir sagen: ‚Du sprichst leise‘ oder ‚Deine Stimme klingt angespannt‘. Das ist viel hilfreicher und respektvoller.“
Die Wirkungspyramide – Stimme braucht Umfeld
Am Ende unseres Gesprächs erzählt Monika von ihrer Wirkungspyramide:
„Unsere Stimme wird nicht nur durch uns selbst, sondern auch durch unser Umfeld geprägt. Wenn Menschen uns ständig kleinmachen, wirkt sich das direkt auf unsere Stimme aus.“
Deshalb rät sie, genau hinzuschauen: „Wer gibt dir Feedback? Unterstützt dich dein Umfeld oder verunsichert es dich? Und was denkst du selbst über deine Stimme?“
Ihr Credo: „Wenn du jedes Mal denkst ‚Oh Gott, wie schlimm‘, wenn du dich hörst, dann ist es Zeit, diese Beziehung zu verändern. Stimme ist Beziehung – zu dir selbst und zu anderen.“
Fazit: Stimme ist Haltung
Nach unserem Gespräch war mir wieder klar: Stimme ist viel mehr als Klang. Sie ist ein Ausdruck von Haltung, Mut und Selbstannahme.
Monika sagt es so schön:
„Wir müssen nicht tiefer, lauter oder härter sprechen – sondern wahrhaftiger. Wenn wir innerlich sicher sind, klingt das nach außen automatisch kraftvoll.“
Und genau darum geht es: Speak Up and Shine.
Bleibt flexibel – und offen für Neues!
Eurer Ralf Schmitt
und das Team der Impulspiloten