Manchmal stelle ich mir eine ziemlich unangenehme Frage:
Braucht man Menschen wie mich – die kreativ arbeiten – irgendwann gar nicht mehr?
Also Moderatoren, Speaker, Leute, die Ideen entwickeln, Konzepte schreiben oder Inhalte produzieren?
Weil: KI kann inzwischen ziemlich viel davon auch. Und das mittlerweile ziemlich gut.
Genau darüber habe ich in meinem Talk gesprochen – und zwar mit jemandem, den ich schon seit vielen Jahren sehr schätze. Sandra Herz war wieder bei mir zu Gast. Wir kennen uns schon lange, und ich hatte sie bereits einmal auf meiner Couch sitzen.
Sandra unterstützt Menschen und Organisationen dabei, KI besser zu verstehen und sinnvoll einzusetzen. Sie kommt aus der Change-Kommunikation, hat viele komplexe Projekte geleitet und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Mensch und Maschine zusammenarbeiten können.
Also die perfekte Gesprächspartnerin für die Frage: Was macht KI eigentlich mit unserer Kreativität?
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenMacht KI kreativer – oder bequemer?
Früher war es oft so: Wenn ich einen Text schreiben wollte oder eine Idee brauchte, saß ich vor einem leeren Blatt Papier und musste erst einmal selbst überlegen. Heute kann ich eine KI fragen: „Gib mir doch mal zwanzig Themenideen für Blogposts für die nächsten vier Monate.“ Das funktioniert erstaunlich gut. Gleichzeitig stellt sich aber sofort die nächste Frage: Bin ich dann eigentlich noch kreativ – oder lasse ich einfach die Maschine für mich denken?
Sandra sieht das differenziert. Ihrer Erfahrung nach entsteht oft eher ein kreatives Wechselspiel. Man bekommt einen Vorschlag von der KI und denkt im nächsten Moment: „Ja, ganz nett – aber das kann ich noch besser.“ Genau dieser kleine Wettbewerb kann Kreativität sogar anregen. Die KI liefert Impulse oder Perspektiven, und wir Menschen bauen darauf auf, verändern, verfeinern oder entwickeln etwas völlig Neues daraus.
Spannend fand ich auch ihren Blick auf den Arbeitsprozess selbst. KI verändert nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Art, wie wir arbeiten. Sandra nutzt beispielsweise mehrere KI-Modelle parallel, weil jedes andere Stärken hat. Das fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man ein kleines Team von Assistenten um sich herum. Man gibt Aufgaben ab, lässt etwas generieren, geht kurz einen Kaffee holen – und merkt plötzlich: Moment, ich hatte doch gerade einer KI einen Auftrag gegeben. Für viele von uns ist das eine völlig neue Art zu arbeiten. Die meisten von uns lernen gerade erst, mit digitalen Assistenten umzugehen.
KI als Turbo für Ideen
Ein Punkt hat mir besonders gefallen. Sandra sagt: Menschen, die in ihrem Fach ohnehin gut sind, profitieren besonders stark von KI.
Oder anders gesagt:
Wer schon kreativ ist, wird mit KI oft noch kreativer.
Warum? Weil plötzlich mehr Ideen umgesetzt werden können.
Ich kenne das selbst: Ich habe jeden Tag mehr Ideen, als ich realisieren kann. Früher blieb vieles einfach liegen. Heute kann ich schneller Dinge ausprobieren, Konzepte entwickeln oder Formate vorbereiten.
KI wird dann zu einer Art Kreativitäts-Booster.
Das Problem: Alle anderen haben das auch
Wenn ich mit KI schneller Inhalte erstellen kann – dann können das natürlich auch alle anderen.
Gerade im Social-Media-Bereich merkt man das. Die Menge an Content wächst enorm. Vieles davon ist KI-generiert, einiges aber nicht offiziell als KI gekennzeichnet.
Und genau deshalb wird etwas anderes wichtiger: Authentizität.
Persönlichkeit lässt sich nämlich nicht so leicht automatisieren.
Meine Lieblingsfrage im Gespräch
Irgendwann habe ich Sandra gefragt:
Müssen kreative Menschen eigentlich Angst haben, dass weniger kreative Menschen mit KI irgendwann besser werden als wir?
Ihre Antwort war ziemlich klar:
Die Technologie hilft vielen Menschen – aber sie ersetzt nicht automatisch Erfahrung, Perspektive oder Persönlichkeit.
Oder um es anders zu sagen:
Nur weil jemand KI benutzt, wird er oder sie nicht automatisch zum kreativen Genie.
Wir haben auch über Fehler gesprochen und davon gibt es einige.
KI kann falsche Informationen liefern, sogenannte Halluzinationen produzieren oder komplett absurde Bilder generieren. Sandra hat mir ein paar Beispiele gezeigt – sagen wir so: Die möchte man nicht unbedingt veröffentlichen.
Deshalb bleibt eine Sache extrem wichtig: prüfen, hinterfragen, nachdenken.
KI ist ein Werkzeug. Kein Orakel.
Was auf der Bühne wirklich zählt
Zum Schluss haben wir noch über unsere eigene Branche gesprochen: Bühne, Moderation, Vorträge.
Heute kann ich mir mit KI relativ schnell ein Skript oder eine Struktur für einen Vortrag erstellen lassen. Früher habe ich dafür deutlich länger recherchiert.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass plötzlich jeder eine gute Keynote hält.
Denn auf der Bühne zählt etwas anderes: die Person.
Die Art, wie jemand spricht. Geschichten erzählt. Reagiert. Mit dem Publikum arbeitet.
Und das lässt sich bisher erstaunlich schlecht automatisieren.
Mein Fazit
KI verändert gerade unglaublich viel. Auch kreative Arbeit. Sie kann Ideen liefern, Prozesse beschleunigen und uns dabei helfen, mehr umzusetzen als früher.
Aber am Ende bleibt etwas entscheidend:
die Persönlichkeit des Menschen, der damit arbeitet.
Oder anders gesagt:
Vielleicht ersetzt KI nicht die Kreativität.
Vielleicht zwingt sie uns einfach, noch kreativer zu werden.
Bleibt flexibel – und offen für Neues!
Eurer Ralf Schmitt
und das Team der Impulspiloten